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Namensänderung der “Gustav-Friedrich-Meyer-Schule”

Die Schulkonferenz der Gustav-Friedrich-Meyer-Schule hat beschlossen, dass sie gerne den traditionelle Namen “Schule am Brook” wiederhaben möchte anstatt nach dem nationalsozialistischen Volkskundler und ehemaligen Lehrer Gustav Friedrich Meyer benannt zu sein.

Offenbar haben die CDU-Mitglieder Fedor Mrozek und  Thorsten Albrecht damit ein Problem und auch ein seltsames Verständnis von Tradition und Anstand.

Zu der  gewünschten Umbenennung führte z.B. Herr Mrozek bei der letzten OBR-Sitzung aus:

“Die Vorgehensweise bei der Umbenennung einer Straße (ich gehe mal davon aus, dass das sinngemäß auch für Schulen gilt) ist ja so, dass die Angehörigen zunächst einmal ihr Einverständnis geben müssen. Und dementsprechend gehe ich davon aus, dass es auch bei der Namensgebung der Schule mal so geschehen ist.

und da Sie eben gerade erklärt haben, dass sie gar nicht wissen, wie der Angehörigen des Geehrten dort dazu stünden dann würde ich meinen, das ist ja nun einmal überfällig, dass diese dann auf jeden Fall einbezogen werden und deren Stellungnahme eingeholt wird, wenn bisher noch nicht geschehen sein sollte. Und ansonsten…”

[Raunen im Saal, Hr. Levtzow fordert dazu auf "Fedor" ausreden zu lassen]

“zur Umbenennung selber, fände ich es überaus bedauerlich, wenn ein so traditionsreicher Name (Sie haben ja gerade das Studium(?) ins Feld geführt ) aus dem Gaardener Stadtbild verschwände, der gehört für mich einfach hier zu Gaarden dazu. Gerade am Sonntag durfte ich hier noch meine Stimme abgeben zur Europawahl. Und dass ein Name einer Schule vielleicht mal nicht unbedingt mit der örtlichen Lage sofort in Verbindung gebracht wird. Ich glaube das teilen viele Schulen (dieses Problem). Wenn man da nun jetzt jeden Schulnamen ändern würde, würde da etwas weit führen. Ich wäre froh, wenn die Schule ihren alten, traditionsreichen Namen weiterführen würde.”

Im weiteren Verlauf sagt Herr Mrozek das sein vorgeschlagener Weg “eine Frage des Anstands” sei. (Audioaufzeichnung beim Blogbeirat)
Wenn wir von Tradition sprechen so steht da am Anfang natürlich die Gründung der Schule 1909 mit dem Namen “Schule Am Brook” (Quelle: “Kieler Straßenlexikon” , PDF). Der Bruch der Tradition erfolgte nach dem Krieg 1949 mit der Umbenennung nach dem schleswig-holsteinischen Volkskundler, Lehrer und überzeugten Nationalsozialisten Gustav Friedrich Meyer. Wie die CAU in ihrer Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit im Fachgebiet Volkskunde feststellt, galt Meyer den Nazis als politisch zuverlässig, er begrüßte die Machtergreifung der Nationalsozialisten und war in verschiedenen NS-Organisationen äußerst aktiv. Das eigene Wirken im Dienste des Nationalsozialismus zu stellen bedeutete den Pfad der Wissenschaft zu verlassen und falsche Theorien zu befördern. Zusammenhänge herzustellen, wo sie nicht vorhanden sind und wiederum anderen Zusammenhänge, die z.B. den Rasse- und Volksideologien der Nazis widersprachen auszublenden. Und damit unterfütterte Meyer wie viele andere Wissenschaftler das Wirken der Nazis und arbeitete mit an den Begründungen, die dann z.B. für die Vernichtung von Juden herhalten mussten.

Das pikante und peinliche an der letzten Ortsbeiratssitzung war, dass am selben Tag eine Vertreterin der jüdischen Gemeinde kurz zuvor auf einem der Tagesordnungspunkte ihr Gemeindehaus in Gaarden vorgestellt hatte und sich noch im Raum befand. Sie “durfte” also erleben, wie ein Vertreter einer angeblich christlichen Partei 64 Jahre nach Kriegsende einen Unterstützer der nationalsozialistischen Ideologien verteidigte. Zum “Anstand” denke ich, dass eben ein solches Verhalten in dem Kontext, nicht nur wegen der Koinzidenz der beiden Tagesordnungspunkte, eine solche Argumentation in höchstem Maße unanständig ist. Eine solche Argumentation verhöhnt die Opfer der Nazi-Ideologie und verharmlost die Ideologie selbst in dem es sie offenbar als einen ganz normalen Beitrag zur Volkskunde bewertet.

Auch seinem Kollege Thorsten Albrecht (ebenfalls) fehlt es hier an Einsicht, Sensibilität und Anstand, wenn er zu unrecht mutmaßt:

Ich befürchte, daß die Begründung der besseren geografischen Verortbarkeit einer “Gemeinschaftsschule am Brook”  lediglich ein vorgeschobener Grund ist. Und ich befürchte weiter, daß hier primär von einigen es GUT meinenden Sozialdemokraten und Linken dem ideologisch fundamentierten Drang zur politisch korrekten historischen Säuberung des Straßenbildes (und des öffentlichen Raumes an sich) Rechnung getragen werden soll, dem neben tatsächlich und offenkundig traditionsunwürdigen Personen auch gelegentlich Persönlichkeiten zum Opfer fallen (gefallen sind), denen man letztlich nicht viel mehr als eine nach heutigen Maßstäben(!) zu undeutliche Distanz zum gesellschaftlichen Mainstream ihrer Zeit nachsagen kann.

Wie kann man eine Person wie Meyer bei all den Fakten als “traditionswürdige Person” bezeichnen, der nur eine “undeutliche Distanz zum damaligen Mainstream” nachgesagt werden könne?

Es geht hier nicht um IRGENDEINE Zeit – es geht nicht um eine harmlose Vorurteile und Diskriminierung. Sondern es geht um eine Zeit, die viele Millionen Opfer gekostet hat. Die Ideologie der Nazis brauchte Menschen wie Meyer, um ihre verqueren Theorien zu belegen. Wissenschaftler, die sich in den Dienst des Unrechts stellen und für Regime arbeiten, die auf Basis der erarbeiteten Ideologie Massenmorde an lebensunwertem Leben oder Rassen begehen, die diese Ideologie ausgrenzen, machen sich an dem mitschuldig was mit ihrem Beitrag an Unrecht passiert ist. Sollte es bei den Herren Mrozek und Albrecht da ein Wissensdefizit geben, so würde ich empfehlen dies ggf. vor einer Sitzung des OBR nachzuholen – und nicht den Opfern eben dieser Ideologie mit derart blanker Ignoranz begegnen.

Zudem ehe ich keinen Sinn darin eine “EHRUNG”, die ja eine Auszeichnung sein sollte für besondere Qualitäten und Verdienste im Angesicht unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Werte, in jedem Falle aufrecht erhalten werden sollte, unabhängig von dem Wandel der Einschätzung zu einer früher geehrten Person.

Die von Herrn Albrecht genannte “Säuberung des Öffentlichen Raumes” deutet an, dass Umbenennungen grundsätzlich unangebracht wären. Ob er genau so denkt bei harmloseren fällen wie “Karl-Marx-Stadt” zu “Chemnitz”? Gesäubert oder besser “gefiltert” sollte im Falle Gustav Friedrich Meyer wohl eher dessen Vergangenheit werden!

Ich war auch anwesend bei der besagten Sitzung und ich empfand den auftritt des Herrn Mrozeks als überaus peinlich und unanständig. Man muss eben bei der Bewertung einer Person alle Aspekte einfließen lassen, insbesondere wenn es darum geht, dass man sie ehrt. Man sagt ja auch “Ehre wem Ehre gebührt” – das muss im umgekehrten Falle auch gelten! Es wäre aus meiner Sicht passend, wenn von den beiden eine öffentliche Entschuldigung zu hören wäre.

Update: Interessant auch der Abschnitt im Artikel zum RCDS in der Zeitschrift LinX 1998:

“Der Kieler RCDS hat so etwas quasi avantgardistisch schon längst umgesetzt. Alle Rechten, die sich formal vom Nationalsozialismus distanzieren, dürfen bei ihm mitmachen und machen nicht trotz, sondern wegen ihrer rechten Gesinnung sogar Karriere. Ein Beispiel ist Fedor M. Mrozek, der 1995 mit der Dokumentation des “Aufrufes gegen das Vergessen” den offenen Rechtskurs des RCDS einleitete. Mrozek ist nicht nur Landesvorsitzender des RCDS, sondern mittlerweile auch für die CDU in den Ortsbeirat von Kiel-Gaarden gewählt worden, wo er die sozialdemokratischen Abgeordneten mit Äußerungen zur Geschichte HDWs überraschte, daß es keinen automatischen Zusammenhang zwischen der Germania-Werft und dem Nationalsozialismus gebe.”

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