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Gentrifizierung zu Gast in Gaarden
Am 12.5. fand eine angekündigte Lesung aus dem Buch von Christoph Twickel “Gentrifidingsbums…” in der Räucherei in Gaarden statt.
Zum Ablauf:
Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Ausschnitt einer Replik von OB Torsten Albig auf Ratsfrau Zimmermann (Direkte Demokratie) bezüglich ihres Gentrifizierungsvortrags. Daraufhin wurden Unterschriftenliste herumgereicht, wo sich BesucherInnen eintragen konnten, die von der Wählerinitiative “WIR in Kiel” Emails bekommen wollen. Dann wurde noch für die kleine, inoffizielle Zubringerdemo von “WIR in Kiel” am 28.5. vom Vinetaplatz zum Bahnhofsvorplatz geworben.
Das Pubikum (rd. 60 ?) bestand nach meinem Eindruck vermutlich zu 80-90 Prozent aus Studierenden (Politologie, Soziologie?) – zum großen Teil auch aus Mitorganisatoren und einigen interessierten und politisch Aktiven aus Gaarden.
Christoph Twickel kann gut Vorträge halten. Das hat er gezeigt. Technisch betrachtet, inhaltlich, verständlich, …
Eine interessante Erkenntnis, der er zitierte war:
- Aufwertungsprozesse führen laut Untersuchungen nie zu einer Durchmischung reicher und armer Bevölkerungsschichten, sondern immer zu mehr Segregation und zur Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile.
Das Gängeviertel wurde als erfolgreiche Gegenwehr gegen eine weitere Gentrifizierung interpretiert. Wie Twickel aber selber sagte sind das nur einige Häuser in einem ansonsten durchgentrifizierten Bezirk. Einige Künstler haben es geschafft sowohl diese Häuser vor dem Abriss zu bewahren, als auch für sich günstige Werk- und Ausstellungsräume zu sichern.
Allerdings taugt dieses Beispiel kaum dafür von Hinz und Kunz adaptiert zu werden. Auch ist es fraglich, ob so eine kleine Nische wirklich als erfolgreiche Gegenwehr gesehen werden kann. Nicht zum ersten mal wandelt die Politik Protest um, gibt Protestierenden zum Teil recht und setzt diese als Baustein einer weiteren Aufwertung ein.
Die Gentrifizierungs-Debatte kritisiert zwar oftmals kapitalistische Verwertungslogiken, erreicht auch mit einer anderen Sprache ganz andere Leute: Doch was fehlt ist ein Hebel, die es AktivistInnen erlauben würde, effektiv Mechanismen des Kapitalismus aufzubrechen. Das ist nicht unmöglich. Die Frage ist, wo man ausreichend ökonomischen Druck erzeugen kann, jenseits einer reinen Protestkultur oder eines symbolischen Widerstands: Die Ohnmacht der sog. “Kleinen Leute” überwinden.
Die Vernetzungen sind gut, auch die Theorien zum Verstehen von Gentrifizierung sind nicht nur interessant, sondern auch oft brauchbar. Leider ändern diese ganzen Sachen recht wenig an der Realität, wenn es keine allgemein anwendbare Strategie gibt.
Ökonomischer Druck, das haben z.B. Beschätigte oder auch Mieter – also all jene, die mit ihrer Leistung etwas zum Funktionieren des Systems beitragen – und mit gezielter Leistungsverweigerung Druck aufbauen können.
Darüberhinaus wäre es m.E. wichtiger, dass man an ganz konkreten Projekten Forderungen aufstellt und auf deren Umsetzung dringt, statt sich in allgemeinen Parolen wie dem “Recht auf Stadt” zu ergehen. Wo können BürgerInnen direkt ihre Meinung einbringen oder ihre Macht nutzen? Je direkter die Aktion, desto besser und glaubwürdiger.
Eine Gefahr sehe ich darin, dass Parteien oder Wählerinitiativen sich dazu aufschwingen, VertreterInnen einer Bewegung oder Bürgermeinung zu sein. Niemand spricht für irgendwen, außer für sich selbst und seine unmittelbare Interessengruppe. Interessen sind dabei sicher auch oft gegensätzlich.
Vielleicht fehlt uns in Kiel auch eine bessere Streitkultur, damit mensch herausfindet, welcher Weg denn der bessere ist? Im Rathaus ist es eh schon nicht gut bestellt mit der Streitkultur. Und so mancher Kieler meint auch mit “Meckern verboten” etwas ändern zu können.
Ich glaube da nicht dran. Meinungsverschiedenheiten sollten offen und transparent ausgetragen werden. Und dabei muss klar sein, wer welche Interessen vertritt. Nur so ist ein ehrlicher Diskurs möglich. Und Diskurse kopieren aus anderen Großstädten führt uns auch nicht unbedingt weiter. Es mag ja hip sein und auch einen gewissen Sinn ergeben – es führt aber nichts daran vorbei, dass man auch immer vor Ort sich seine eigene Wahrheit erst erarbeiten muss.
- Hier die Aufzeichnung der Lesung und der Diskussion. (@Radio Gaarden)
Kommentar zu den Fragen im Anschluss an die Lesung:
Viel an Perspektive ist dabei nicht entstanden, außer dass Aktivität und Vernetzung vielleicht Sinn macht. Aber die Frage ist auch wie. z.B. wenn man sagt Gerecht geht GANZ anders. was heisst GANZ anders? Nur eine irgendwie empfundene Andersartigkeit? Irgendwie besser? Oder verlangt nicht der Anspruch es anders oder besser zu machen genaue Vorstellungen, wie so ein anders aussehen muss. Damit meine ich nicht unbedingt planerisch, sondern von der Strategie her. Weil bisher erscheint es nachwievor wie ein Kampf gegen Windmühlenflügeln – und die, die dagegen kämpfen erzeugen mit ihrem Kampf manchmal genau den Wind, den sie vermeiden wollen. Also wie Änderungen herbeiführen jenseits einer hippen IN-Diskussion um das pro und kontra von Gentrifizierung. Wie die Kritik umsetzen auf effektiven Widerstand?
Rede von Ratsherrn Bernd Jenning zu Entwicklungsperspektiven für den Stadtteil Gaarden
Die Rede von Ratsherr Jenning ist eine Antwort auf die Rede von OB Albig am 17.02.11.
Verehrte Stadtpräsidentin, sehr geehrte Damen und Herren,
die Vorlage beklagt, wie schon so viele andere Vorlagen auch, den sogenannten Problemstadtteil Gaarden. Die Vorlage soll Glauben machen, in ihr würden „Entwicklungsperspektiven“ für den Stadtteil stecken. Wir haben die Perspektiven in diesem langen Text gesucht und leider nur wenig Neues gefunden.
Der Wegfall von Arbeitsplätzen in und um die Werftenindustrie ist ein Grund für die veränderte Geschäfts- und Einkommenslage in Gaarden. Das ist seit langem bekannt, denn dieser Prozess ging über Jahre – der Stadt fiel in all‘ der Zeit wenig oder nichts ein, um die Folgen dieses Prozesses abzufedern. Falls Sie jetzt meinen, die Stadt konnte damals keine Arbeitsplätze zaubern, dann fragen wir uns, wozu dann heute ein „Wirtschaftsbüro Gaarden“ gut sein könnte. Wenn es dazu gut sein soll, auch geringer Qualifizierte in Arbeit bringen zu wollen, dann ist das eine Selbstverständlichkeit, die keines Papiers bedarf.
Man will den „Gründergeist“ der Gaardener fördern – als hätten die Gaardener ansonsten zu wenig Interesse, ihren Stadtteil „kielweit als Einkaufs- und Wirtschaftsstandort attraktiv“ zu erleben. Nebulös bleibt an dieser Stelle, was damit gemeint ist, das Wirtschaftsbüro solle „soziale und ökonomische Ziele“ verbinden. Betrauert wird „Abstieg und Verfall“ der Wohngebäude – auch ein seit Jahren anhaltender Trend! Wir vermissen an dieser Stelle einmal Selbstkritik der Stadt, die eine verheerende Wohnungspolitik betrieben hat – wenn man sich nur einmal die sukzessive Abschaffung kommunalen Wohnungsbestandes der letzten 20 Jahre vor Augen führt! Jetzt sollen die Vermieter, die den Wohnungsbestand bisher „ausschließlich wirtschaftlich ausgebeutet“ haben (!), zwar ermahnt – aber auch belohnt werden: Man will mit SGB II-Leistungen die energietechnischen Sanierungen der Vermieter refinanzieren.
Unter der Überschrift: „Soziale Begleitung der Veränderungen im Stadtteil“ wird mit den stadtteilimmanenten Angeboten weiter an den Symptomen herumgedoktert. „Stadtteilfeste“ sollen die Kritik an den Verhältnissen durch möglichst laute Musik übertönen. Die Menschen aber brauchen Arbeit, Transferleistungen und Unterstützung, sportliche und kulturelle Freizeitangebote – und zwar in dieser Reihenfolge.
Das monierte schlechte Image des Stadtteils ist eine Folge fehlender Jobs und daraus resultiert der Kaufkraftverlust. Armut und Perspektivlosigkeit sollen im öffentlichen Raum nicht mehr sichtbar sein dürfen – das schadet dem Renommee. Das Papier setzt auf ein besseres Image des Stadtteils und erreicht mit den „Angsträumen“ das Gegenteil. Zugleich werden unerwünschte Personengruppen erbarmungslos stigmatisiert.
Der Stadtteil soll seinen Mehrbedarf selbst decken durch Einsparungen an anderer Stelle. Und damit das nicht so weh klingt, wie es weht tut, behauptet man erst einmal, dass es sicher jede Menge Mehrfacharbeit gibt, die es abzustellen gilt. Das Eingesparte darf dann vielleicht gnädigerweise an anderer Stelle neu verausgabt werden. Wer nennt hier eigentlich die Kosten dieser Bürokratie? Und gehen wir nicht bei den Kleinen bis ins Essensfach den Details nach, während im Großen bei der Einigungs-Treuhand und bei der Bankenrettung schon mal Fünfe gerade sein dürfen.
Spätestens am Ende der Lektüre wird die ganze Wolkigkeit der Vorlage klar: „Unter Begleitung des Büros des Oberbürgermeisters werden die unterschiedlichen Beiträge und Leistungen aller beteiligten Dezernate und Ämter an die sich ständig verändernde Situation im Stadtteil neu strukturiert und angepasst, mit dem Ortsbeirat und den Fachausschüssen abgestimmt und mit den Kooperationspartnern, insbesondere der Bundesagentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Polizei, dem Büro Soziale Stadt und dem Schulamt Umsetzungsstrategien vereinbart.“ Das wird uns als Stein der Weisen verkauft.
Viel Vergnügen bei der „ständigen Anpassung von Umsetzungsstrategien“! – aber was soll denn eigentlich bis wann erreicht sein? Dazu lesen wir in der Vorlage nichts.
Rede von Oberbürgermeister Torsten Albig vor der Kieler Ratsversammlung zu Entwicklungsperspektiven für den Stadtteil Gaarden am 17. Februar 2011
Ich zitiere hier einmal die Rede von Oberbürgermeister Albig und seinen Plänen zu Gaarden. Ich werde in einem späteren Beitrag darauf eingehen:
Es gilt das gesprochene Wort:
Frau Stadtpräsidentin,
meine sehr geehrten Damen und Herren,vor etwas mehr als 110 Jahren wurde Gaarden-Ost nach Kiel eingemeindet, neun Jahre später folgte Gaarden-Süd. Diese Ostufer-Stadtteile erlebten im Laufe dieses Jahrhunderts ein beispielloses Auf und Ab. Die Werften machten Gaarden groß, und Krisen im Schiffbau – nach dem Ersten, dem Zweiten Weltkrieg und in der Neuzeit – sorgten auch immer wieder für den Abstieg. Die Krise hält bis heute an, denn der Schiffbau wird keine nachhaltigen Entwicklungsimpulse mehr in diese Stadtteile senden. Die Branche sucht, wenn überhaupt, ausgewählte Spezialisten und bietet kaum noch industrielle Massenarbeit. Das hat über die Jahre zu einem Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen auf den Werften geführt. Und diese Zahl muss durchaus mit dem Faktor vier multipliziert werden, wenn wir verbundenes und assoziiertes Gewerbe betrachten.
Heute erleben wir besonders mit Gaarden-Ost einen Stadtteil, der keineswegs das ist, wozu ihn einzelne Zeitungsberichte bereits stempeln wollten: Gaarden, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist keineswegs eine No-Go-Area, sondern für Kiel vielmehr ein Must-Have. Denn Gaarden hat ein großes Potenzial. Wir müssen aber unsere Kräfte besser bündeln und neu ausrichten, um dieses Potenzial zu heben. Das Ziel möchte ich dabei unmissverständlich formulieren: Es geht darum, diesen Stadtteil, mit den Menschen, die dort leben, voran zu bringen. Wir müssen die Bewohnerinnen und Bewohner fördern aber auch fordern, denn nur aus diesem Zweiklang wird die Kraft zur Entwicklung wachsen. Wir wollen Veränderung mit den Menschen in Gaarden. Es geht nicht darum, Straßenzüge aufzuwerten, die Wohnbevölkerung auszuwechseln und damit die Probleme bestenfalls zu verschieben.
Wer in Gaarden etwas bewegen will, und das sind in dieser Stadt viele, muss sich schnell den Vorwurf der Gentrifizierung gefallen lassen. Diese Vokabel bezeichnet die soziale Umstrukturierung innenstadtnaher Bereiche, die ärmliche Viertel schnell in Modellprojekte der Luxussanierung verwandelt. Das war, ist und wird nie unser Ziel für Gaarden sein. Über 5.000 Einzelpersonenhaushalte und Familien in Gaarden brauchen die Hilfe des Staates. Die sollen sie auch in Zukunft erhalten. Doch wir wollen, dass mehr Menschen auf eigenen Füßen stehen können, dass wir Familien aus der Abwärtsspirale reißen, die Generation auf Generation in den Abgrund der Abhängigkeit von sozialen Transferleistungen reißt.
Und dieser Abgrund kann tief sein. Etwa 100 Millionen Euro fließen pro Jahr von Bund, Land und Kommune an sozialen Transferleistungen auf das Kieler Ostufer. Gut die Hälfte davon landet allein in Gaarden. Allein dieser Wert macht umso deutlicher, dass es an der Zeit ist, unsere Hilfen, Fördermaßnahmen und Angebote kritisch zu überprüfen und sie neu auszurichten.
Die Förderung muss in Gaarden ein neues Gesicht bekommen, damit wir nicht länger riesige Millionenbeiträge ausgeben, allein um Menschen zu alimentieren und soziale Fehlentwicklungen zu zementieren. Damit mich niemand missversteht: Hilfe ist heute und bleibt auch morgen notwendig! Wir wollen niemanden zurücklassen. Aber wir wollen mehr Menschen die Chance geben, ihr Schicksal auch wirtschaftlich wieder selbst zu bestimmen.Dabei ist in Gaarden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unendlich viel passiert. Über kaum einem Gebiet der Landeshauptstadt liegt ein so engmaschiges Netz an Hilfsangeboten, Initiativen, Einrichtungen und Vereinen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Menschen zu helfen, denen es weniger gut geht. Und machen wir uns nichts vor: Hätte es diese Hilfen nicht gegeben, wäre die Situation in Gaarden erheblich schwieriger, als sie es heute ist. Darum ist auch hier und heute der Tag, den Menschen zu danken, die sich in Gaarden engagieren – ganz gleich, ob sie das hauptberuflich tun oder ob sie sich in ihrer Freizeit für ihre Mitmenschen einsetzen.
Als Stichworte möchte ich Ihnen gerne Stadtentwicklungsprogramme wie Urban oder Soziale Stadt nennen. Zuletzt mit dem Sport- und Begegnungspark! Die soziale Infrastruktur zum Beispiel im Bereich der Kinderbetreuung wird kontinuierlich ausgebaut. Angebote der Sozial- und Arbeitsverwaltung sind weiter vernetzt worden. Das Mehrgenerationenhaus wurde zu einer Anlaufstelle für Familien hergerichtet. Die Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund werden stetig erweitert. Mit dem Trinkraum haben wir mit der Hilfe von Hempels viel beachtete bessere Angebote in der Suchtkrankenhilfe geschaffen. Unsere Sozialarbeit geht mehr auf die Menschen zu, wir unterstützten Initiativen und Vereine im Stadtteil, es werden Begegnungen und Stadtteilfeste gefördert.
All die genannten Maßnahmen haben den durch externe Faktoren ausgelösten Wandel im Stadtteil abgemildert und positiv beeinflusst. Sozialarbeit allein schafft es aber nicht, die negative Entwicklung umzukehren. Was Gaarden braucht, und dafür steht diese Geschäftliche Mitteilung, ist deshalb ein vernetzter Ansatz, eine Sichtweise auf die Herausforderungen, in der nicht nach Bedarf mal die sozial-, die finanz- oder die wirtschaftspolitische Brille aufgesetzt wird.
Lassen Sie mich beim Thema Lokale Ökonomie beginnen: Was Gaarden dringend braucht, ist Kaufkraft. Denn Kaufkraft zieht Gewerbetreibende an, die nicht nur für ein vielfältiges Waren- und Dienstleistungsangebot, sondern vor allem auch für Arbeitsplätze sorgen. Die Einrichtung unseres Wirtschaftsbüros wird ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Gemeinsam mit der KIWI wollen wir auch den Wirtschaftsstandort stärken, wir wollen die sozialen und die wirtschaftlichen Eckpunkte zusammenführen. Wir müssen das wirtschaftliche Engagement in Gaarden aktivieren. Dieser Stadtteil muss für Handwerk, Handel und Gewerbe wieder attraktiver werden.
Wirtschaftliches Engagement ist ein Stichwort, das mich unmittelbar an einen der vielen Punkte um die Diskussion Gaarden führt, bei dem wir uns entscheiden müssen, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Denn wer über Gaarden spricht, der spricht auch über ein Gebiet, in dem überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Wer darin nur Probleme sieht, dem rate ich dringend, seine Sichtweise neu zu justieren. Denn Kielerinnen und Kieler mit Migrationshintergrund bringen natürlich Herausforderungen an die etablierte Gesellschaft. Aber gerade bei Ihnen finden wir immer öfter auch den vielzitierten Unternehmergeist, den wir bei anderen so oft vermissen. Handwerker und Händler sind dabei genauso willkommen, wie der Falafelladen in der Wikingerstraße oder der türkische Imbiss an der Ecke.
Gaarden, meine sehr geehrten Damen und Herren, hat das Zeug dazu, wieder ein Einkaufs- und Wirtschaftsstandort zu werden. Allein die hervorragende Lage in unmittelbarer Citynähe und die gute Anbindung an den Fernverkehr via Hafen und Bahnhof spricht für Gaarden. Hören wir endlich auf, Gaarden schlecht zu reden. Tun wir endlich das Richtige!
Wollen wir Gaarden aufwerten, müssen wir das Image dieses Stadtteils gründlich korrigieren. Zur Wahrnehmung der Menschen gehören dabei nun einmal Sicherheit und Sauberkeit. Wenn sich zum Beispiel Menschen mit Suchtproblemen an der Bushaltestelle Ecke Elisabethstraße/Karlstal massieren, dann entstehen Bereiche, in denen Menschen sich nicht mehr wohl fühlen; in denen Menschen Angst haben. Darunter leiden am genannten Ort diejenigen, die einen Bus nehmen oder im nahegelegenen Supermarkt einkaufen wollen. Auch die Schülerinnen und Schüler der Hans-Christian-Andersen-Schule, die derzeit täglich zum Mittagessen ins Mehrgenerationenhaus kommen, sollten nicht in konfliktreiche Situationen mit Suchtmittelkonsumenten am Vinetaplatz kommen.
Darum streben Stadt und Polizei eine besondere Sicherheitspartnerschaft für Gaarden an, damit Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit und Nutzungsinteressen der beschriebenen Personengruppen in Einklang gebracht werden können. Im Zweifel muss das heißen, dass die Ordnungsbehörde im Verbund mit der Polizei dafür sorgt, dass allgemein akzeptierte Regeln auch im Zentrum Gaardens eingehalten werden. Niemand wird vertrieben, aber auf die Angebote wie zum Beispiel den Trinkraum verwiesen. Wer die sozialen Einrichtungen partout nicht nutzen will und sich besonders auffällig und abweichend verhält, muss mit einem Platzverweis rechnen.
Die Herausforderungen in Gaarden lassen sich aber nicht nur in der örtlichen Konzentration von Menschen in schwierigen Lebenslagen ablesen. Auch der Zustand einiger Häuser und Straßenzüge in einem ansonsten architektonisch hochattraktiven Umfeld lässt erkennen, dass einige Eigentümer ihren Wohnungsbestand ausschließlich ausbeuten, ohne in Sanierung und Instandhaltung zu investieren. Das führt zu sichtbarem Abstieg und Verfall. Neben stadtplanerischen Maßnahmen und Appellen prüfen wir derzeit, ob wir energetische Sanierungen fördern können. So wäre es denkbar, bei energetisch sanierten Häusern einen Zuschlag zur Kaltmiete in Höhe der ersparten Heizkosten im Rahmen der Mietobergrenzen für Transferleistungsempfänger zu akzeptieren.
Eine solche Förderung wäre in mehrfacher Hinsicht wirkungsvoll: Vermieter können Investitionen in ihre Gebäude langfristig refinanzieren, sie liefert einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz, wir federn steigende Energiepreise ab, und wir geben Impulse für Handwerk und Beschäftigung. Auch eine gemeinsame Wohnungsbaugenossenschaft mit Akteuren am Wohnungsmarkt könnte helfen, zum Beispiel durch den Erwerb verwahrloster Wohnhäuser die Situation für die Menschen zu verbessern. Ob diese Option in Kombination mit Wohnungsbauförderung des Landes umsetzbar ist, müssen wir aber erst noch in Gesprächen mit der Wohnungswirtschaft klären. Straßen und Plätze des Stadtteils müssen wir planerisch und in der Umsetzung in Orte verwandeln, die zur Begegnung einladen.
Als letzten Punkt möchte ich heute auf die Chance zur Teilhabe eingehen. Wer die Situation in einem Quartier nachhaltig verbessern möchte, wird das nur mit den Menschen erreichen. In einem so bunt gemischten Stadtteil wie Gaarden wird es deshalb darauf ankommen, den Zusammenhalt der Menschen dort vor Ort zu stärken. Die Menschen in Gaarden werden die Entwicklung ihres Lebensbereiches nur dann als gemeinsame Aufgabe erkennen, wenn sie die Lebenswirklichkeiten ihrer Mitmenschen auch wahrnehmen. Das gilt umso mehr für den besonders großen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Unser gemeinsames Integrationsmonitoring mit der Christian-Albrechts-Universität liefert wichtige Ansätze für die Antwort auf die Frage: Wie schaffen wir Integration und Teilhabe für Zuwanderinnen und Zuwanderer mit völlig unterschiedlicher Motivation und Herkunft?
Unabhängig von diesen Ergebnissen ist Kultur ein Transmissionsriemen, der wichtige Beiträge leisten kann. Wer am kulturellen Leben teilhat, wird nicht nur geistig erbaut, sondern erhält auch Einblick in Sitten, Gebräuche und andere Wertvorstellungen. Darum habe ich Stadtgalerie, Theater, Oper und Volkshochschule aufgefordert, Beiträge zu liefern. Dazu brauchen wir Präsentationen und Auftritte im Stadtteil. Wir müssen bekannte Formate wie Interkulturelle Woche oder Gaardener Kulturtage ausbauen und weiterentwickeln.
Ein zentraler Punkt in Sachen Teilhabe ist auch das Bildungspaket. Kiel hat hierbei hervorragende Vorarbeit geleistet und ist bereit, als Vorreiter dafür zu sorgen, dass besonders Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien bessere Bildungschancen erhalten. Das eröffnet den Betroffenen Chancen, wenn der Streit in Berlin denn endlich beendet ist, schafft aber auch Herausforderungen in den Bereichen Lernförderung, Kultur, Sport und Mitmachen. Auch dort sind besonders Volkshochschule, Musikschule und Stadtgalerie gefordert. Wir brauchen auch noch mehr Kraft für das Projekt “Kids in die Clubs”. Damit können wir die bereits ansehnliche Lerninfrastruktur im Stadtteil noch weiter verbessern.
Auch die Kindergartenbedarfsplanung müssen wir uns allen Anstrengungen zum Trotz noch einmal gründlich ansehen. Unsere Betreuungsangebote in Gaarden besonders auch für Kinder unter drei Jahren müssen wir noch stärker fördern. Dabei geht es zum einen um den Rechtsanspruch, zum anderen aber noch viel mehr um die Chance benachteiligter Kinder. Denn der Bildungsprozess beginnt im frühkindlichen Alter. Kinder in Problemgebieten, die nicht bereits in diesem Alter erreicht werden, dürften es später umso schwerer haben.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
“Gaarden ist bunt und vielfältig”, hieß es vor einigen Jahren in einer Imagekampagne. Es ist an der Zeit, diese Buntheit als Chance zu erkennen, in der große Potenziale ruhen. Das ändert aber nichts daran, dass wir unsere Kräfte bündeln müssen. Die vielen guten Initiativen müssen neu ausgerichtet werden. Es darf keine Doppelangebote geben. Das hilft uns, mehr Erfolg zu haben, und das hilft uns, Mittel einzusparen. Diese Mittel müssen wir dann nehmen, um sie an anderer Stelle auch zu Gunsten von Gaarden einzusetzen. Denn dieses von mir vorgestellte Programm ist kein Konsolidierungspaket. Wir wollen Leistungen verbessern.
Darum wird unter der Leitung meines Büros eine Dezernate und Ämter übergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet, die im ständigen Dialog mit Fachausschüssen, Ortsbeiräten und Kooperationspartnern Umsetzungsstrategien vereinbart. Bitte rechnen Sie dabei nicht auf breiter Front mit Ergebnissen in den nächsten Tagen und Wochen. Wir werden auf einigen Feldern einen langen Atem brauchen. Bildung und berufliche Qualifikation sind zum Beispiel Bereiche, in denen wir fast in Generationen denken müssen. Doch Gaarden und die Menschen, die dort leben, sind diese Anstrengungen mit langem Atem wert. Gaarden hat Zukunft, und Kiel steht zu seinem besonderen Stadtteil!
OB Albig zu Entwicklungsperspektiven für den Stadtteil Gaarden
Ich zitiere die Geschäftliche Mitteilung einfach mal hier, was unser OB am Donnerstag beschlossen haben will. Ist viel Text und muß ich mir erst mal in Ruhe durchlesen… Klar sieht man hier natürlich die Handschrift von Gerwin Stöcken (ehemals Jobcenter)
Gelogen wie gedruckt: Kieler Ratsfraktionen leben im Wolkenkukusheim
In einer neuen Presseerklärung hängen sich die Ratsfraktionen der Übergroßen Koalition aus allen Fraktionen außer Linke und Direkter Demokratie ziemlich weit aus dem Fenster, was die Behauptungen anbelangt:
- Eine 250prozentige Erhöhung der Preise für das Verweilen einer Familie über mehrere Stunden wird dort als „sozial verträgliche Eintrittspreise“ bezeichnet.
- Den Fraktionen, die es ablehnen zig Millionen für ein Spaßbad auszugeben und die Preise derart zu erhöhen wird vorgeworfen „Sie grenzen damit Menschen mit geringem Einkommen von der Teilhabe an Sport und Freizeit aus. Wir lehnen diese Politik als unsozial ab und werden dies öffentlich vertreten!“
Wiederholt werden bewiesener maßen falsche Zahlen verbreitet. Wie schon mehrfach an dieser Stelle bewiesen, hat sich herausgestellt, dass der Siegerentwurf zur Lessinghalle, der dann 13-15 Millionen Euro kosten sollte, nicht etwa zur Restaurierung der selbigen dienen soll, sondern einen Umbau des Eingangsbereiches Schrevenpark/Lessingplatz bedeuten würde. Zudem war in der Ausschreibung als Vorgabe, dass zusätzlich ein Wellnessbereich und eine Gastronomie geschaffen werden sollte. Eine saubere Trennung zwischen Restaurierung und Straßenbaumaßnahmen fand nicht statt. Das Ziel der Ausschreibung war somit absehbar, die eingereichten Entwürfe NICHT umzusetzen, sondern gerade nur Zahlen zu erhalten, die abschreckend genug sind.
Das Freibad Katzheide sollte 8 Millionen kosten. Die Summe 8+13 oder 8+15 – die dann nach Adam Riese 21-23 Millionen kosten würden wird dann zu 25 Millionen addiert. Das eine Schwimmhalle auch für nur 5-6 Millionen zu haben wäre, habe ich hier und in KielKontrovers auch bereits nachgewiesen. Aber in dieser Diskussionen zählen keine Argumente und auch nicht einfache Additionen. Die Übergroße Koalition braucht weder Argumente noch Rechenkünste. Ihr Zentralbad liegt im Wolkenkukuksheim und finanziert sich ganz von selbst. Bei den Ratsmitgliedern sind 17 Millionen (große Lösung) weniger als 8 Millionen (kleine Lösung).
Dabei veruntreut und verschwendet die Ratsversammlung teuere Steuergelder und lügt den Kieler Bürgerinnen dreist ins Gesicht.
Alleine die bauliche Erkundung wird demnächst 120.000 Euro kosten. Der Architekturwettbewerb zur Lessinghalle kostet die Stadt Kiel nach meinen neueren Erkenntnissen 80.000 Euro. für 200.000 Euro hätte man die Lessinghalle aber von der Technik her nach einem Gutachten längst reparieren können (dort geschätzt: 150.000 Euro). Da sind die Kosten für die Entwürfe zu Katzheide noch gar nicht drin.
Mein Trost ist, dass das Zentralbad noch nicht steht – und das jeder der rechnen kann und Erfahrungen mit Baukosten hat jetzt schon weiss, dass es deutlich teurer wird. Diese Erkenntnis muss den naiven Ratsmitgliedern noch erst kommen. Aber naja, es ist ja nicht ihr Geld? Aber bitte liebe Ratsmitglieder hört auf zu jammern. Herr Albig hat gestern bei Anne Will gejammert, dass er selbst mit Arbeitsloseninitiativen um 3.500 Euro feilschen muss. Lieber Herr Albig – mit dem Einsparen lustiger Architekturwettbewerbe mit Siegerentwürfen mit denen sowieso schon vorher nie jemand vor hat diese umzusetzen (Fall Lessinghalle), könnten sie 21 weitere Initiativen aus dem Stadtsäckel fördern. Man muss nur wissen, wo man den Rotstift ansetzt!

